Der Weltensammler

By Ilija Trojanow

A unique according to the lifetime of Sir Richard Burton.

Show description

Quick preview of Der Weltensammler PDF

Show sample text content

Zehn Rupien, ich habe es gestern abend zusammengerechnet. Ich habe einen Vorschlag, wenn Sie erlauben, der uns beiden dient, denke ich. Wir sollten einen Betrag vereinbaren, der den gesamten restlichen Auftrag umfaßt. Egal, wie lange es noch dauert. – Bestimmt haben Sie sich auch Gedanken gemacht über die Höhe dieses Betrags. – Ich würde vorschlagen, Sie zahlen noch einmal sechzehn Rupien. Und dann reden wir kein einziges Mal mehr über Geld. 38. WER DAS OPFER ANNIMMT Niemals erzählte sie von sich. Es battle ein Fehler, sie im Schlafzimmer zu bedrängen.

Ja, der Weg, er ist unersetzbar. Trotz aller Mühsal, er ist es, der mein Herz höher schlagen läßt. Wir sind Reiter zwischen Stationen, es ist unser Schicksal, anzukommen und aufzubrechen. Und unsere langen Hoffnungen, fügte Sheikh Abdullah hinzu, spannen sich über unser kurzes Leben. Morgen werde ich, wenn Gott der Große und Glorreiche es so bestimmt, zu Hause sein, aber du, Sheikh, du hast einen langen Weg vor dir. Ich beneide dich. Es ist noch früh, willst du dich nicht hinlegen, ich werde die Wache übernehmen.

Sie sind gehemmt, Sheikh, unterbrach sie seine Gedanken, in greifbarer Ferne. Sie müssen mich richtig untersuchen, es geht um mehr als nur um mein Leben. Ich weiß, Ihnen ist unwohl dabei, aber ich bitte Sie, überwinden Sie sich, untersuchen Sie mich. Ihre Schwester kniete sich neben ihr nieder und begann sie auszuziehen. Und wenn es Sie zu sehr behindert, legen Sie das Gerät ab. In Notfällen dürfen wir die Regeln mißachten, nicht wahr? Und sie sah ihn mit einem Blick an, in dem er gerne stundenlang gelesen hätte.

Die Kadaver von fünfzig Kamelen – nein, Schwester, ich habe sie nicht gezählt, es handelt sich hierbei um eine olfaktorische Schätzung – verfaulen neuerdings in der Nähe des Lagers. Als ich, in einiger Entfernung, versteht sich, vorbeischritt, überraschten mich zwei fette Schakale, die aus ihrem kleinen Speisezimmer im Bauch eines Kadavers krochen, ganz schlaff von ihrem heißhungrigen Mahl. Sorge dafür, daß Du nie hierher versetzt wirst, Bruder, dieses Land ist wie geschaffen für den Krieg, ich rieche geradezu den Ruhm, den unsereiner erringen könnte, aber in Friedenszeiten ist es hier so aufregend wie auf einem Friedhof, der von einem Sandsturm begraben worden ist.

Bol: ›sprich‹, Ton auf der Tabla Burkha: schwarzer Überhang, der all das von einer Frau verdeckt, used to be einen Mann erregen könnte Cantonment: britisches Armeequartier mit geraden Straßen und Hecken Changanyika: Tanganjika, das Festland des heutigen Staates Tansania Chillum: Pfeife zum Rauchen von Haschisch Chillumchi: große, meist kupferne Schüssel Daftari: Sekretär Daaru: Alkohol Daal: Linsen, Bestandteil quick jeder Mahlzeit Dau: Segelschiff, mit dem über Jahrhunderte hinweg Handel im Indischen Ozean betrieben wurde Derwisch: ein Mensch, der sich aus dem Alltag in die Ekstase verabschiedet hat; moslemische Variante des Sadhu Devadasi: ›Dienerin Gottes‹, im Alltag eher eine Dienerin der Priester, eine sakrale Prostituierte Dharma: die inhärente Natur eines Menschen oder Objekts; Lebenspflicht, Gesetzesordnung Dhoti: ›das Gewaschene‹, ungenähter Stoff, der um die Taille gebunden wird Diwan: ›Premierminister‹ am Hofe des Maharaja Dhokalaa: Gujarati-Gericht Diin: Glauben Dik-Dik: die kleinste Antilope in Ostafrika Dschinn: Geist Dukaan: encumbered Dupatta: langes Tuch, das die Schultern und Brüste der Frau bedeckt Effendi: respektvolle Anrede für Männer im Osmanischen Reich, ähnlich dem englischen ›Sir‹ Farandjah: die ›Franken‹, womit alle Westeuropäer gemeint sind Firengi: Ausländer, stammt von dem Wort ›Farandjah‹ ab Gandharva-vivaaha: intime Liebesheirat Ganesh: Gott, Sohn von Shiva und Parvati; rundlicher menschlicher Körper mit Elefantenkopf Ganesh Tschathurti: elftägiges Fest im September/Oktober zu Ehren des Gottes Ganesh Ganja: Marihuana Garuda: großer Reiher; mythologisch der Vogel, auf dem der Gott Vishnu fliegt Gellabiya: auch Jellaba, langer, loser Umhang, oft mit Kapuze Ghoras: die ›Weißhäutigen‹ Gotra: ›das, used to be die Kuh schützt‹, sprich der Pferch; im übertragenen Sinne die Ahnenlinie, die bis zu einem bestimmten Heiligen (Rishi) zurückgeführt wird Gujarat: Provinz im Westen Indiens; Gujarati ist die Sprache Gulab Jamun: weitverbreitete Süßigkeit, Bällchen in Sirup Hadith: ›Erzählung‹, eine beglaubigte und daher verpflichtende Überlieferung über einen Ausspruch oder eine Handlung des Propheten Hajaum: Barbier Hukah-Burdar: Diener, der sich ausschließlich der Wasserpfeife widmet Ihram: zwei weiße Tücher; das einzige, used to be ein Hadji tragen darf Imam: Führer, Vorbild, derjenige, der das Gebet anführt Intezaar karna: ›warten‹ Iskander der Große: Alexander der Große Jain: ›Anhänger des Jina, des Siegers‹; faith, die der Askese und der Gewaltlosigkeit eine zentrale Bedeutung beimißt Jubbah: langer Überzug, den bessergestellte Moslems tragen, sowohl Frauen als auch Männer Jyotish: Astrologe mit breitem Aufgabengebiet Kaakaa: Onkel väterlicherseits Kama: Liebe, Lust; eine der Lebensaufgaben des Menschen nach hinduistischer Auffassung Kanga: ostafrikanischer Wickelrock aus Baumwolle Kanzu: langes weißes Gewand, das die Männer an der ostafrikanischen Küste tragen Kayf: die angeblich orientalische Fähigkeit, den Augenblick ohne bestimmten Grund zu genießen Kedmutgar: Diener, der die Mahlzeiten aufträgt und in der Küche mithilft Kelim: gewebter Teppich Khabardar: ›Achtung‹ Khat: Blätter eines Busches (Catha edulis), die wegen ihrer stimulierenden Wirkung gekaut werden Khatarnak: ›gefährlich‹ Khelassy: Diener, der die Fächer bedient Khutbah: Predigt zum Freitagsgebet in der Moschee Kikoi: ostafrikanischer Stoff, vielseitig verwendbar Kitschri: Gujarati-Gericht aus Reis und Linsen Kofta: Fleischpflanzerl; nicht immer aus Fleisch Kobbradul: ein feiner Stoff Laddus: Süßspeise aus Mehl, Zucker und geklärter Butter Lahiya: öffentlicher Schreiber Lupanar: Bordell (lateinisch) Maamaa: Onkel mütterlicherseits Madafu: Kokosmilch Maharaja: der ›große König‹ Maikhanna: Vorläufer der Kneipe Mashallah: ›Gott sei gelobt‹ Maya: Täuschung, Irrtum, phantasm, mit anderen Worten: die Realität, die wir wahrnehmen Medresa: Koranschule Mela: Jahrmarkt, Volksfest Mganga: traditioneller Heiler Mithaiwallah: Süßigkeitenverkäufer Miya: ›Beschnittene‹, abfällige Bezeichnung für Moslems Mletscha: Barbar, Unreiner, Unberührbarer, Mensch niederer Geburt – ein Europäer additionally Mtepe: kleines Boot Muhtaram: arabische Respektsbekundung Munshi: Lehrer, Gelehrter Nagar Brahmanen: ›städtische‹ Brahmanen, eine Subkaste, die in Gujarat einen großen Teil der Verwaltungsbeamten stellte Nautsch-Mädchen: ›Tänzerin‹, kultivierte Kurtisane Niim: Margosa-Baum Oim target klim hrim narrow: Sim-sa-la-bim (über ›1001 Nacht‹ ins Deutsche eingewandert) Paratha: Fladenbrot mit unterschiedlicher Füllung Phazi: Dorfvorsteher Pratikshaa karna: ›warten‹ Pujari: Priester Puranas: ›alte Texte‹, Sanskrittexte mit Schöpfungslegenden, göttlichen Biographien und Genealogien von Heiligen Purna-madaha/Purna-midam/Purnaat purnam uda-tschyate/Purnasya purnam-aadaaya/Purnameva ava-shishyate: dies ist das eine/jenes ist das eine/das eine und das andere ist eins/eins ohne eins/bleibt immer noch eins Puranpolis: süßer gefüllter Pfannkuchen Raka: ein Zyklus im moslemischen Gebet Raki: Schnaps, oft aus Anis gebrannt Saaki: Kellnerinnen in der Maikhanna Sadhu: hinduistische Variante des Derwisch Safarnamah: ›Reiseerzählung‹ Santano Dharma: ›Heiliger Glauben‹, gebräuchliche Bezeichnung der Hindus für den ›Hinduismus‹ Sardarji: Sikh Sepoy: einheimischer Soldat unter britischem Kommando Sevpuri: Gujarati-Gericht Shakuntala: berühmteste Figur des altindischen Dramatikers Kaalidaasa Shirk: Vielgötterei, Animismus Shivaji: Fürst der Marathas im 17.

Download PDF sample

Rated 4.58 of 5 – based on 41 votes